Kanban im Supermarkt [OOP 2011]

Meine Frau und ich gehen jede Woche in einen kleinen Supermarkt, der hochwertige Lebensmittel anbietet. Das Personal (ca. 6 Personen) ist äußerst freundlich und hilfsbereit.

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Manchmal gibt es in der guten Stimmung eine kleine Störung: Man wird gerade von Person A richtig gut bedient, da taucht Person B auf, verdrängt Person A, die uns gerade bedient und schickt sie in die Pause. Person B bedient uns dann sofort weiter, weiß jedoch nicht, was wir mit A schon besprochen hatten. Das ist kein wirklich großes Problem, es tritt auch nur selten auf, doch wenn, dann ist es uns als Kunden unangenehm.

Es scheint, als ob es zwischen den Mitarbeitern einen Pausenplan gibt, der strikt eingehalten werden muss – so ist der Eindruck, den wir gewinnen. Es scheint, als ob das Einhalten dieses Plans wichtiger sei als einen Kunden fertigzubedienen und erst dann in die Pause zu gehen. Hmmm…

Ich als Kanban-Fan habe natürlich gleich überlegt, ob man diesen Bruch im Flow optimieren könnte. Hier also die Frage an meine Blog-Leser und an die Besucher meines Vortrags auf der OOP 2011:

Gegeben folgende Situation:

  • Der Supermarkt hat 6 Mitarbeiter.
  • Das Arbeitszeitgesetz schreibt vor, dass sie mindestens 30 Minuten Pause pro Tag haben müssen.
  • Der Chef möchte, dass zu jedem Zeitpunkt maximal nur 2 Mitarbeiter gleichzeitig in der Pause sind.

Was wäre, wenn man zwei kanbans ausgeben würde, also zwei bunte Steine, Knöpfe, Matroschka-Figuren, was auch immer? Dann folgende Verwendungs-Regeln für die kanbans:

  • Wenn jemand in die Pause geht, nimmt er ein kanban mit.
  • Wenn gerade kein kanban da ist, darf keiner in die Pause gehen.
  • Bevor einer in die Pause geht, bedient er noch seinen aktuellen Kunden fertig.
  • Wenn einer aus der Pause zurückkehrt, legt er sein kanban wieder an den vereinbarten Platz, so dass der Nächste es mitnehmen kann.

Fertig! Keine weiteren Regeln – kein Stundenplan, keine definierte Reihenfolge, kein nichts!

Meine Frau meint, das sei reine Theorie, und ich solle mich da raus halten. Das würde nicht funktionieren, weil es mündige Mitarbeiter voraussetzt, die sich nicht streiten. Was meinen Sie, würde dieses Kanban-System in der Praxis funktionieren? Was passiert, wenn einer zu spät aus der Pause kommt? Wäre überhaupt genug Zeit für Pausen?

Ich frage auch mal David Anderson, der auf der OOP 2011 über Kanban sprechen wird. Mal sehen, was „der Meister“ sagt… 🙂