Wie Sie zu einer Premium-Firma werden

Wir Ingenieure in der Software-Branche sind etwas verrückt. Wir stressen uns durch eng gesetzte Termine, durch Multitasking und durch ein Arbeitsumfeld, in dem wir ständig neue Probleme anpacken, sie aber trotzdem hocheffizient lösen wollen. Die Fünf Mythen der heutigen Projektkultur, die weithin akzeptiert und längst überholt sind, tragen noch dazu bei. Sie fragen sich, wie man da herauskommt und was wohl nach der Projektkultur kommt?

Eigentlich ist es doch ganz einfach: Woran erkennen Sie eine erfolgreiche Firma? Sie hat…

  • begeisterte Kunden,
  • einen hohen Ertrag und…
  • zufriedene, begeisterte Mitarbeiter.

Eine Firma, die der bisher üblichen Projektkultur huldigt, verschiebt alle diese Dinge gedanklich in die Zukunft und wartet ab, bis der Projekterfolg die obigen drei Kriterien wahrmacht. Kann man das nicht besser machen?

Projektkultur war gestern

In der Projektkultur reisen Sie einem vordefinierten Ziel hinterher (oder einem beweglichen Ziel und passen unterwegs Ihre Richtung an). Was wäre, wenn es kein solch fernes Ziel mehr gäbe? Dann würde der ständige Soll-/Ist-Vergleich entfallen und damit auch der Stress. Unmöglich? Sie meinen, die Tür zum Chaos würde sich dadurch öffnen? Spielen wir das einmal durch.

Die Business-Leute erarbeiten einen ebensolchen „Case“. Sie rechnen mit einem bestimmten Umsatz, der erreicht wird, wenn das Projekt abgeschlossen wird. Sie merken allerdings unterwegs: „Hmm, gestern dachten wir noch, der Business Case würde so und so aussehen. Heute merken wir, dass ein anderes oder zusätzliches Geschäft am Wegesrand wartet. Könnten wir das nicht mitnehmen?“

Was sich da auftut, ist eine Option. Sie können diese realisieren oder auch nicht. Wenn Sie dem Fernziel folgen, würde das Realisieren dieser Option Sie im Hinblick auf das Fernziel langsamer machen, also nehmen Sie die Gelegenheit nicht mit, sondern arbeiten weiter für das Fernziel. Bei einem Projekt nennt man das „einen abgelehnten Change Request“. Damit schließen Sie die Option. Sie läuft meist kurz danach ab und ist nicht mehr realisierbar. Auf dem Weg tauchen aber nach und nach immer wieder solche Optionen auf. Diese rufen vom Wegesrand aus „nimm mich mit, nimm mich mit“ und laden Sie dadurch ein, langsamer zu gehen und zusätzliches Geschäft zu machen.

Optionenkultur ist heute

Was wäre nun, wenn Sie anstatt ein Projektziel zu verfolgen immer wieder nach der nächsten Option Ausschau halten, die Ihrem Kunden und damit Ihnen selbst bereits wieder Geld einbringt? Das Business verfolgt dabei die Optionen im Markt und stellt an das Entwicklungsteam entsprechende Nachfrage nach Features, um diese Optionen wahrzumachen. Das Team hebt die Nachfrage in einer Warteschlange (Backlog) auf. Der Product Owner managt die Warteschlange so, dass die wertvollsten Optionen gezogen werden und der Rest dabei möglichst lange offen (realisierbar) bleibt und sich eben nicht schließt.

Das Team stellt seine Fähigkeit in den Dienst des Business und balanciert Nachfrage gegen Fähigkeit aus. Die Teammitglieder ziehen immer dann eine Option (ein Stückchen Nachfrage) in die Realisierung, wenn wieder etwas Fähigkeit (Entwicklungskapazität) frei ist. Die Entwickler achten dabei darauf, möglichst wenige der Optionen gleichzeitig zu ziehen, um einerseits den Überblick zu behalten und andererseits dem Business zu erlauben, den Rest der Warteschlange nach Gutdünken umzusortieren, Optionen hinzuzufügen oder herauszunehmen – ganz wie es der Markt (also das am Wegesrand liegende Geschäft) verlangt. Dadurch, dass Optionen sehr spät gezogen werden, entsteht das Commitment auch sehr spät. Dadurch geht Ihre Entwicklungsorganisation gleichzeitig möglichst wenig Risiko ein – ein aktiver Beitrag zum Risikomanagement.

Das hält dem Chaos die Tür vor der Nase zu. Es wird ganz diszipliniert eine Option nach der anderen realisiert und das Geld dafür einkassiert. Ein übergeordnetes Ziel ist lediglich für die Verständlichkeit, Gerichtetheit und Konsistenz dieses Wertstromes erforderlich. Sie brauchen jedoch keine detaillierte Liste von zu realisierenden Anforderungen mehr, die entdecken Sie stattdessen unterwegs.

Das Business-Motorrad

Die bisherige Projektkultur ist vergleichbar mit einem Supertanker, der mit Rohöl beladen langsam manövriert, um an seinem Ziel eine große Menge Wert zu schaffen, indem er eine Raffinerie beliefert. Ein Team, das in der neuen Optionenkultur arbeitet, gleicht eher einem schnellen Motorrad, das zwar nicht viel Last tragen kann, aber mit dem das Business ein interessantes Ziel im Markt nach dem anderen anfährt und dort Wert mitnimmt.

Flow-Kultur tut ein Übriges

Wenn Ihr Product Owner schlau ist, balanciert er mit dem Team zusammen die Nachfrage gegen die Fähigkeit aus. Er erlaubt dem Team, nur so viele Optionen in die Realisierung zu ziehen wie sie Kapazität haben. Das Team misst laufend seine Fähigkeit, z.B. in realisierten Features pro Tag oder pro Monat, und veröffentlicht diese Zahl. Das Business kennt diese Kapazität und hat explizit den Auftrag, sie mit möglichst kleinteiliger Nachfrage auszunutzen, um flexibel zu bleiben und das Team nicht zu überlasten. Dadurch gerät das ganze System (Kunde, Business, P.O., Team) in einen ausbalancierten Flow-Zustand, den Sie ohne Probleme über lange Zeit aufrechterhalten können.

Der Kunde bekommt ständig lauffähige Features, die Qualität ist sehr hoch, weil die Entwickler nicht mehr einem Termin nachjagen, deshalb keine Kompromisse mehr zu machen brauchen, sondern jede Option gescheit realisieren können (natürlich trotzdem kosten-angepasst, nicht vergoldet, das ist klar). Die Mitarbeiter im Team sind sehr zufrieden, denn sie leben im Gleichgewicht: Es entsteht weder Überlastung noch Langeweile, sondern eine gleichmäßig hohe Herausforderung ihrer Fähigkeiten.

Verzicht auf Ballast

Der Auftrag lautet nicht mehr, eines Tages an einem bestimmten Punkt angekommen zu sein. Deshalb brauchen Sie auch keinen Soll-/Ist-Vergleich mehr, keinen langfristigen Plan und keine Kostenverfolgung. Die Kosten sind ein gleichmäßiger Strom, da die Zahl der Leute im Team konstant bleibt. Es gibt keinen langfristigen Plan mehr, der Ihnen trügerische Sicherheit vorgaukelt. Ihre Aufmerksamkeit kann sich damit auf die folgenden Fragen verlagern:

  • Wo ist die nächste Business-Gelegenheit?
  • Welche Option liegt dafür am Wegesrand?
  • Welchen Wert kann diese Option generieren?
  • Wenn wir uns auf diese Option committen, welche anderen Optionen werden dadurch geschlossen?
  • Wie lange bleibt welche Option offen? Bis zu welchem Ereignis oder welcher Entscheidung?
  • Gibt es Mittel, sie noch länger offen zu halten? Was kosten diese Mittel?
  • Wie viele Optionen pro Zeiteinheit realisiert unser Team?
  • Welche Gelegenheiten werden in solch einem Zeitraum am Wegesrand auftauchen? Wie müssen wir sie sortieren, so dass das Team sie mit wenig Energieaufwand wahrmachen kann?
  • Falls wir von den Kunden zu viel Nachfrage auf einmal bekommen – wie stark können wir den Preis der Optionen anheben, so dass sich die Nachfrage auf ein sinnvolles Maß reduziert?

Das neue Management

Als Manager sollten Sie ein System gestalten, in dem diese Kultur von Optionen und Flow möglich werden kann. Informieren Sie alle Mitarbeiter darüber, wie das funktioniert und was die neuen Ziele sind. Der schlaue Product Owner mit Systembewusstsein erlaubt dem  Team, sich in Balance zwischen Nachfrage und Fähigkeit zu bringen. Er verdient für seine Firma Geld ohne Ende, indem er Optionen verteuert, Nachfrage beschränkt, durch Flow die Lieferzeiten verkürzt und die Firma dadurch zu einer Premiumfirma macht.

Termindruck auch bei Ihnen?

Ab jetzt Termine leicht einhalten. Mit meinem 22-Punkte-Aktionsplan ist das für Sie ganz einfach.

Der Wettbewerb wird nur noch staunen, die Kunden werden es lieben. Die Mitarbeiter werden ihre Freunde ermutigen, ebenfalls in dieser Premium-Firma zu arbeiten.

Haben Sie den Mut zur Premium-Firma?

Haben Sie Mut, sich zu einer Premium-Firma zu entwickeln? Sicher, am Anfang erfordert das Energie, man trennt sich schließlich nicht so gern von alten Denkgewohnheiten. Doch die Vorteile sind so eklatant, dass sich der Einsatz lohnt.

Vielleicht denken Sie: Der Bohlen malt alles rosarot! Ob das bei unserer Firma auch funktioniert? Rufen Sie mich einfach an – ich kann Ihnen helfen, die konkreten Schritte zu lernen, die auf dem Weg zu einer Kultur von Optionen und Flow notwendig sind. Nehmen Sie Fahrt auf – mit Ihrem Business-Motorrad!