Produktentwicklung

Warum ist Produktentwicklung so speziell?

Produkte zu entwickeln ist eine ganz besondere Aufgabe – warum? Der Grund hängt ganz eng mit Innovation und Unsicherheit zusammen. Entweder, ich entwickle ein innovatives Produkt, oder ich bin mir sicher, was dabei heraus kommt – beides zusammen geht nicht. Wäre die Entwicklungsorganisation sich sicher, was heraus kommt, dann wäre es nicht mehr innovativ, sondern altbekannt und möglicherweise langweilig.

Es muss also etwas Spezielles daran sein: Was unterscheidet Entwicklung oder Design von der Fertigung? Nun, Designer und Entwickler finden heraus, wie etwas zu konstruieren oder zu fertigen ist. Wären es Köche, würde man sagen: sie erfinden ein neues Rezept. In der Fertigung hat man hingegen die Aufgabe, das fertige Rezept möglichst oft zu realisieren, mit möglichst wenig Abweichungen vom Vorbild.

Kreativität

Ein Rezept zu erfinden, ist ein inhärent kreativer Prozess – er verläuft iterativ, nicht-linear, mit Erkenntnissen und Entscheidungen, deren Auswirkungen sich erst zeitverzögert einstellen. Produktentwicklung findet also (verglichen mit der Fertigung) in großer Unsicherheit statt und muss entsprechend gemanagt werden. Die Art und Weise, Produktentwickler zu managen, muss in der Lage sein, mit Chaos (Rauschen) im Alltag umzugehen, sonst wird man aus der Bahn geworfen.

Wert statt Zeit managen

Viele Produktentwicklungen werden immer noch auf der Zeitlinie gemanagt. Die Einhaltung des Plans scheint wichtiger zu sein als der Wert des innovativen Produkts, der dabei heraus kommt. Führungskräfte versuchen immer noch, Meilensteine zu erreichen, die irgendwann in der Vergangenheit aufgrund von Schätzungen ermittelt wurden. Sie scheitern, wenn das Maß an Rauschen im Prozess die Parameter so verschiebt, dass der Meilenstein verpasst wird.

Alternativ dazu bildet sich gerade ein neues Paradigma: Management anhand von Flow und Wert anstatt anhand von Punkten auf der Zeitlinie. Hier ist das Ziel, aus dem für eine Entwicklung ausgegebenen Geld das Maximum an Wert für das Produkt herauszuholen. Dieser Ansatz ist ganz anders als das Management auf der Zeitlinie: Indem die Führungskraft sich auf den geschaffenen Wert konzentriert, sorgt sie automatisch dafür, dass auf alles verzichtet wird, was keinen Wert beiträgt. Ironischerweise ist das gleichzeitig eine der sichersten Arten, einen Termin zu halten. Wer zu stark auf Termine fokussiert, verpasst sie. Dasselbe gilt für Kosten: Zu stark auf Kostensenkung zu setzen, steigert die Kosten.

Flow-basierte Produktentwicklung

Flow ist ein Zustand, in dem die Entscheidungen und Zwischenprodukte des Design- und Entwicklungsprozesses frei durch die beteiligten Teams fließen und zeitnah beim Kunden ankommen. Stockungen in diesem Fluss führen dazu, dass sich größere Mengen von Zwischenergebnissen in der Werkstatt oder auf manchen Schreibtischen bilden. Diese Warteschlangen kosten Geld, weil die Arbeit liegen bleibt, obwohl alle Arbeiter voll beschäftigt sind. Dem kann man auch mit “arbeitet schneller, Jungs!” nicht begegnen.

Man braucht Führungskräfte und Teammitglieder, die auf  Staus achten und sie aktiv beseitigen: Der Stau von heute ist nämlich die Lieferverzögerung und Kostenerhöhung von morgen. Das macht eine Veränderung im Denken notwendig: Flow-basierte Entscheidungen werden in der Produktentwicklung Furore machen und für Erfolg sorgen, ganz im Gegensatz zu zeit- oder kostenbasierten Entscheidungen, die mehr und mehr in den Hintergrund treten.

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